DAS JOURNAL

black and white only – Rückblick einer Weiterbildung

Meisterklasse bei Andreas Jorns

Weiterbildung ist im Leben elementar. Wir verändern uns ständig, haben neue und veränderte Gedanken und Emotionen und die Intuition meldet sich das Eine oder andere Mal.

Als (freiwillig) reiner Hochzeitsfotograf, beschränkte sich meine Weiterbildung bisher zumeist auf den Besuch von Workshops bei Hochzeitsfotografen.
Die Auswahl trifft immer mein Bauch. Ok, fast immer… Normalerweise pocht es in meinem Bauch und meine Intuition signalisiert mir, dass ich „da“ hin muss.
Der Verstand hat Pause.
Die Resultate waren bisher immer grandios. Ok fast immer…Der prägendste Workshop in meinem Leben als Hochzeitsfotograf war der mit dem amerikanischen Hochzeitsfotografen Mike Larson in der Toskana. Bis heute bestimmt er mein Leben, denn er hat mir im persönlichen Gespräch vermittelt, dass es vollkommen unwichtig ist, andere Fotografen zu beeindrucken und es ausschliesslich darum geht für seine Paare da zu sein.
(„Don’t try to impress other photographers – impress the people that pay you“). Dieser Satz hat es in sich und ich habe Tage damit verbracht, darüber in der Tiefe zu sinnieren. Ich bin Mike sehr dankbar, denn tatsächlich ist es mir vollkommen egal was andere Fotografen über mich denken und ich bin fokussiert auf die Zusammenarbeit mit den Menschen die mich buchen und mir ihr Vertrauen entgegenbringen. Alles was ich heute an Leistungen erbringe basiert darauf.
Das einzige Mal, als mein Verstand entschieden hat eine Weiterbildung in Amsterdam zu buchen, ging das gehörig in die Hose. Es war ausgerechnet mein „Idol“. DER Reportagefotograf schlechthin für mich. Der Workshop war der Schlechteste an dem ich je teilgenommen habe. Shit happens.

Seither hat mein Kopf eigentlich immer Pause wenn es um diese Themen geht und ich hinterfrage die Intuition nie, sondern handle einfach wenn ich ein solches Signal erhalte.

Auf zu neuen Ufern

Ich bin ja nun ein Verfechter der „authentischen“ Fotografie und mich interessiert alles was echt ist. Auch liebe ich die Portraitfotografie, obwohl sich diese in meiner derzeitigen Ausrichtung auf Brautpaare beschränkt – oder auf die Freizeit 🙂

Das wird sich ab dem Herbst ändern. Die Zeit ist reif und es wird zwei neue Themen jenseits der Hochzeitsreportage in meinen Angeboten geben. Dazu schreibe ich aber ein anderes Mal mehr.
Vor etwa einem Jahr wurde ich auf einen Portraitfotografen aufmerksam, der durch viele Dinge hervorsticht die meinen Bauch ansprechen. Er denkt sehr ähnlich und ist voller Leidenschaft für das, was er tut.
Ich spreche von Andreas Jorns, einem Fotografen, der im Bereich der Portrait- und Aktfotografie tätig ist und sich darauf beschränkt, den Menschen in den Vordergrund seiner Fotografie zu rücken. Das klingt zunächst ganz einfach, ist aber extrem anspruchsvoll.

Andreas bietet von Zeit zu Zeit eine zweitägige masterclass/Meisterklasse an. Er arbeitet mit 4 Teilnehmern volle 2 Tage und vermittelt dort sein Wissen, sein Denken und sein Handeln. Ich wusste das ich irgendwann daran teilnehmen wollte.
Im Frühjahr gab es dann bei Facebook eine kurze Nachricht auf seiner Seite, dass es für die Meisterklasse Anfang September wieder einen freien Platz gibt.
Ein Blick in den Kalender ergab, dass dieser Samstag noch frei war und bis dahin keine Buchung für eine Hochzeit vorlag. Ich meldete mich kurzerhand an und blockte das Wochenende. Ich war glücklich als ich die Bestätigung erhielt, denn ich ahnte bereits, dass diese 2 Tage für mich so wichtig werden würden wie die 3 Tage mit Mike in Italien in 2012.

Auf los geht’s los

Zur Vorbereitung wurde jeder Teilnehmer aufgefordert, 10 Portraits in A4 zu printen und diese nach Haan mitzubringen.
Zum Start trafen wir uns bei Andreas zu Hause und lernten uns dort kennen. „Die beste aller Ehefrauen“, wie Andreas seine Frau Annette gerne nennt, hatte einen gigantischen Frühstückstisch aufgefahren. Das ging schon mal ganz wunderbar los 🙂

Nach einer lockeren Vorstellrunde kamen die mitgebrachten Bilder auf den Tisch und es zeigte sich, dass jeder der Teilnehmer fotografisch wusste was er tat. Die Gruppe war sehr angenehm und sehr homogen – es machte Spass, sich einen Überblick zu verschaffen und die anderen Teilnehmer kennenzulernen.
Gegen Ende des Frühstücks kam Matthes hinzu. Er ist der Verantwortliche für das Layout von „aj“, dem Magazin von Andreas und fungierte als unser Model für den ersten Tag. Andreas Entscheidung „Nicht-Models“ zu buchen gefiel mir sehr.
1. geht es in seiner Art der Fotografie zu keiner Zeit um Posing und 2. haben wir im Alltag auch mit „Nicht-Models“ zu tun.

Die gesamte Meisterklasse war so aufgebaut, dass es fotografische Aufgaben gab – diese aber völlig individuell umgesetzt wurden. Es gab keinen (einengenden) Rahmen, keine Vorgaben und/oder Anleitungen. Kommunikation, Licht, Motivideen etc. waren stets Sache des Teilnehmers. Andreas beobachtete das Geschehen und im Anschluss wurde die Umsetzung besprochen.
Wir fotografierten Matthes sowohl draussen als auch im Atelier von Andreas. Tageslicht war unsere Hauptlichtquelle. Einen Studioblitz mit Softbox haben wir nur ein einziges Mal in zwei Tagen eingesetzt.

Meisterklasse bei Andreas JornsDadurch, dass es eine Aufgabe gab, die Umsetzung aber zu 100% Sache von uns war, gab es im Grunde immer völlig unterschiedliche Bilder. Die Stimmung unterschied sich, der Ausdruck, das Licht – es war phantastisch.
Gerade dieser Umstand zeigt in meinen Augen die Qualität dieser Meisterklasse, denn es kann ja bei einem solchen Event nicht um „kopieren“ oder „nachahmen“ gehen, sondern um Inspiration und das integrieren des Erlernten in seine eigene Welt.

Meisterklasse bei Andreas Jorns

Sehr interessant war es auch, ein Feedback des Models zu erhalten – etwas das es sonst sehr selten so detailliert gibt. Wie wurde die Kommunikation empfunden? Der gesamte Umgang? Abläufe etc. pp.
Bei diesen Besprechungen baute Andreas seine Inhalte ein. Es gab also keinen abgegrenzten „theoretischen“ und „praktischen“ Teil, sondern alles war miteinander verwoben was es sehr angenehm machte. Ich denke spielerisches Lernen trifft es als Beschreibung sehr gut.

Meisterklasse bei Andreas Jorns

 

Der zweite Tag

Am zweiten Tag stand uns eine Fotografin als Model zur Verfügung. Irina wurde uns nicht explizit vorgestellt. Wir begannen  mit einem Shooting und mussten selbst die Ebene erarbeiten in der eine Zusammenarbeit angenehm wird. Ich kenne das selbstverständlich aus der Hochzeitswelt aber hier war es nochmals etwas anderes, da hier eine Zeitvorgabe vorhanden war und wir mit Irina vorher kein Wort gesprochen hatten.

Am zweiten Tag fotografierten wir öfter und durch Wiederholung der Inhalte war bereits ganz klar erlebbar, dass das, was Andreas uns spielerisch vermittelte, Früchte trug.

Meisterklasse bei Andreas Jorns

 

Bei vielen Dingen geht es um Nuancen die das Leben leichter machen.

Meisterklasse bei Andreas Jorns

Wiederholung ist in vielen Lebenslagen der Schlüssel. Hier ist er es selbstverständlich auch. Das macht es berechenbar – aber es gibt eben auch keine Abkürzung und das ist gut so.

Meisterklasse bei Andreas Jorns

Das nachfolgende Bild ist am Ende des Tages entstanden und ich liebe es besonders. Das passiert wenn sich alle wohlfühlen und es eine Ebene gibt, wo man gerne miteinander arbeitet.
Ganz herzlichen Dank, Andreas, für diese tollen zwei Tage bei dir. Ich habe die Zeit sehr genossen und ich bin sehr froh, dass du wirklich so bist wie du rüberkommst und du deine Werte so transportierst und vollumfänglich dazu stehst.

Ich kann diese Meisterklasse allen Fotografen empfehlen, die tiefer in den Kaninchenbau der Authentizität vordringen wollen. Egal ob Profi oder Amateur – sehr sicher ist für Jeden etwas bereicherndes dabei.

Meisterklasse bei Andreas Jorns

PS: Ein Hoch auf die Intuition die mal wieder goldrichtig lag 🙂

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